„Wir sollten nochmal mit unserem Chef reden“

Angela Finger-Erben ist als RTL-Moderatorin unter anderem bei den morgendlichen News-Magazinen ihres Senders zu sehen. Im Interview bedauert sie, dass das Fernsehen immer mehr zum Nebenbeimedium wird. Dennoch haben die klassischen Nachrichten ihrer Meinung nach auch im TV eine Zukunft.

Ihre stets gute Laune und ihre charmante Art haben Angela Finger-Erben bei vielen Frühaufstehern bekannt gemacht. Sie moderiert im Doppel mit Wolfram Kons die RTL-Magazine Punkt 6 und Punkt 9. Selbst nach mehreren Jahren vor und hinter der Kamera hat das Medium Fernsehen für sie nichts von seiner Faszination verloren. Auch wenn sie zugibt, mittlerweile einen Großteil ihrer Informationen über das Internet zu beziehen.

Steile TV-Laufbahn

Finger-Erben begann ihre Fernseh-Karriere an der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida, wo sie ihre ersten Moderationserfahrungen beim Jugendmagazin „Propeller TV“ sammelte. Nachdem sie 2006 ihr Medienmanagement-Studium abschloss, wurde sie „Guten Abend RTL“-Reporterin und berichtete später für verschiedene Magazine aus dem australischen Dschungel. Am 2. März 2009 moderierte sie zum ersten Mal Punkt 6 und Punkt 9 bei RTL. Auch wenn sie nicht auf der Mattscheibe zu sehen ist, arbeitet sie für den Kölner Privatsender – als VIP-Redakteurin für Punkt 12.

 

[Transktibiert von der veröffentlichten Audio-Slideshow.]

Frau Finger-Erben, wird denn das Fernsehen ein Nebenbei-Medium?

Ich denke schon, dass gerade junge Leute im Moment das Internet aktiver benutzen und den Fernseher dann so nebenher laufen lassen. Und wenn man im Internet surft, dann hat man ganz bestimmte Themen, denen man vollste Aufmerksamkeit schenkt und jetzt gar nicht so wirklich zum Fernseher guckt. Außer wenn man ein Schlagwort hört – dann guckt man doch mal genauer hin.

Ich merke das auch bei mir selbst: Wenn ich nach Hause komme, ich mache das Gerät an und dann habe ich eine Geräuschkulisse. Das ist fast ein bisschen wie Radio. Man lässt sich so ein bisschen Berieseln und hat bunte Bilder. Aber es wird immer seltener glaube ich, gerade bei jungen Leuten, dass sie zu einem gewissen Zeitpunkt einschalten und genau das gucken wollen – weil sie einfach mehr vor dem Internet sitzen. Deswegen glaube ich schon, dass das Fernsehen immer mehr zum Nebenbei-Medium wird. Leider.

Haben denn dann die klassischen, also „harten“ Nachrichten eine Zukunft im Fernsehen?

Es gibt natürlich ein Problem: Weil die Nachrichten gibt es im Moment ja jederzeit und überall. Jeder checkt Nachrichten auf seinem Smartphone, Handy, man hat das Internet, Radio, Zeitungen. Es gibt wirklich sehr, sehr viele Medien wo man die Nachrichten dargeboten bekommt. Aber nichtsdestotrotz bekommt man um eine ganz gewisse Uhrzeit auf den unterschiedlichen TV-Sendern 15 Minuten Nachrichten. Und da hat der Zuschauer dann schon das Gefühl: „Oh, ich weiß jetzt, was auf der Welt passiert ist an diesem Tag. Mir geht es gut.“ Das gibt ja einem dann auch das Gefühl: „Bei mir in der Region ist nichts schlimmes passiert, mir geht es gut.“

Und die Sender geben sich natürlich auch Mühe, die haben neue News-Studios mit viel Hightech. Für den Zuschauer wird es einfach interessanter, also es wird interessanter für die Zuschauer auch gemacht. Und an den Einschaltquoten sieht man ja auch, dass die Nachrichten auf jeden Fall geguckt werden. Und deswegen: Die harten, klassischen Nachrichten, die haben auf jeden Fall eine Zukunft.

Wie weit müssen TV und Internet noch verwachsen?

Ich denke, dass Fernsehen und Internet schon längst miteinander verwachsen sind. Man kann sich im Internet alles anschauen, was im Fernsehen schon gelaufen ist. RTL NOW, da kann man sich wirklich alle Serien, Unterhaltungsformate angucken. Auf YouTube kann man sich die ganzen Videos anschauen. Auf Facebook wird ganz, ganz viel diskutiert. Deswegen denke ich, dass das schon verwachsen ist.

Ihre Sendungen Punkt 6 und Punkt 9 gibt’s ja aber noch nicht bei RTL NOW.

Ja, das ist auch eine Marktlücke. (lacht) Das sollte ganz, ganz schnell auch ins Internet kommen, weil es natürlich auch ein News-Magazin ist, ein Unterhaltungsmagazin – das fehlt natürlich noch! Da sollten wir nochmal mit unserem Chef reden!

 

Ob die Befürchtung beziehungsweise die Hoffnung, der Zuschauer hätte bereits alles im Fernsehen gesehen, gerechtfertigt ist, verrät Finger-Erben im morgigen zweiten Teil des Gesprächs. Außerdem erzählt sie, warum sie die Medienfakultät der Hochschule Mittweida immer weiterempfiehlt.

Das Interview führte Marcel Fröbe. Vom Audio-Interview transkribiert, dessen Teil 1 am 9. Februar 2011 auf medienMITTWEIDA erschien.

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