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Twitter Curator: Überzeugender Echtzeit-Filter

YouNow, Periscope, Meerkat, …

Live-Berichterstattung ist ohne Frage das Thema der Saison. Bei dem Hunger nach Echtzeit-Bewegtbild geht ein neues Tool für den Kurznachrichtendienst Twitter fast unter: Dabei ist Curator ein Echtzeit-Alleskönner, eine Bereicherung für Recherche und Storytelling – und bei genauem Hinsehen nur bedingt vergleichbar mit Storify.

Curator überzeugt mit einem umfangreichen Filter-System. Das legt fest, welche Tweets in den Livestream einlaufen. Die Kriterien lassen sich mit einer Art Baukasten-System präzise definieren. Mögliche Filter-Optionen betreffen:

  • Absender: Wie viele Follower hat er? Wie viele Twitter-User hat er selbst abonniert? Steht ein festgelegtes Keyword in seiner Profil-Beschreibung – oder eben nicht? Bäh, nutzt er etwa noch das voreingestellte Profilbild?
  • Absender-Statistik: Wie „alt“ ist sein Account? Ist sein „Einfluss“ in der Community hoch oder niedrig? Ist sein Profil verifiziert? Schreibt er in einer bestimmten Zeitzone oder von einem bestimmten Ort aus?
  • Tweet: Wie oft muss ein Beitrag favorisiert oder retweetet werden, um im Stream zu erscheinen?
  • Inhalt: Ist ein animiertes GIF dabei? Oder ein anderes Foto, ein Video, ein Vine, zumindest ein Link? Anstößige Inhalte besser ausblenden, in Ordnung? Außerdem lässt sich die Sprache der Nachricht festlegen, ob der Tweet auf einem Mobil-Gerät oder am stationären PC geschrieben wurde, ob auf einem Android-Handy oder iPhone, aus wie vielen Wörtern er besteht, …

Sogar die Stimmung ist ein mögliches Kriterium – lachenden und weinenden Smileys sei Dank. Damit ist klar: Nicht alle der möglichen Kriterien sind für die tägliche Anwendung sinnvoll. Aber: Noch nie war es so einfach, in der Tweet-Flut mitzuschwimmen.

So lassen sich überfrachtete Timelines ausdünnen und der Tweet-Konsum auf ein schaffbares Maß reduzieren. Als Livestream-Quelle lassen sich dafür auch Listen oder einzelne Autoren einspeisen. Die werden ergänzt mit einer Bedingung zur Anzahl der Favorisierungen und Retweets, die ein Post ansammeln sollte, bevor er angezeigt wird. So wird die Twitter-Gemeinde selbst zum Qualitäts-Filter, der Nutzer sieht nur noch die „viralen“ Highlights. Auch im redaktionellen Alltag sind viele Szenarien denkbar, die sich leicht integrieren lassen.

Nutzen können Curator jedoch nur Publisher und Journalisten, die sich für einen Zugang über ein Online-Formular bewerben. Das Freischalten dauert immerhin nur wenige Tage.

PS: Und selbstverständlich bindet Curator auch Periscope-Beiträge ein – damit ist der Tweet-Livestream kein Gegentrend zum Bewegtbild-Livestream, sondern eine gute Ergänzung.

Kleiner Link-Tipp: Modetrends, Neue City West

WELT Video: Neue Luxus-Klamotten für Fetisch-FansRein in den Luxus-Latex

Leder und Lack sind längst kein Tabu mehr. High-Fashion-Fetisch liegt im Trend. Welches Konzept steckt hinter der besonderen Mode?

10. Mai 2014, WELT Video.

Dieser kurze Beitrag entstand während einem TV-Seminar bei Helen Wild und René Mahler an der Axel Springer Akademie. Zu sehen nur bei WELT Video.

BZ_Berlin_Weltladen-Video-YoutubeBis der letzte Kunde geht

Der drittälteste Weltladen Deutschlands kämpft ums Überleben! Seit 39 Jahren behauptet sich das Geschäft im Glockenturm neben der Gedächtniskirche – doch die City West ist zu schnelllebig.

15. Juni 2014, B.Z.

Der Beitrag erschien als Video-Reportage auf der Home von BZ-Berlin.de in einer Serie über den Wandel der „Neuen City West“

Und was ist mit Porno-Seiten?

Daniel Höly von JUICED.de fragte sich und die User nach ihren "Top 10-Webseiten". Ganz spannend, denke ich mir - und schaue mich um: Was für Seiten surfen die Blogger und Leser an?

Natürlich findet sich darunter auch mal ein Unikum. Doch beim Großteil ähnelt sich die Top 10: Alles mal wieder wahnsinnig gebildete Menschen - um nach dem zu urteilen, was sie für Webseiten besuchen. RSS-Reader, Nachrichtenseiten, Fach-Blogs, die Seite der eigenen Bank - ein Selbstständiger sollte schließlich immer nach dem Geld schauen. Und irgendwo in der Aufzählung, am besten ganz oben, darf der eigene Blog oder der eigene Twitter-Account nicht fehlen.

Schön, schön brav! Aber wo ist BILD.de? Und warum findet sich in den Listen keine Porno-Seite? Zumindest in vorletzter Beziehung bin ich bei meiner persönlichen Top 10 ehrlich. Und, leider wahr, ich komme trotzdem auf ein spießiges Ergebnis:

BILD.de - Ist auf Platz Eins, weil ich hier noch im Halbschlaf die "ersten" Headlines checke...
SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL.TV - Erstens ein Muss, zweitens die beste Adresse für TV-Dokus und Reportagen im Netz...
Facebook.com - Habe ich nebenbei laufen, die Fotos meiner Katze teile ich dann aber doch lieber auf Twitter...
DWDL.de - Für mich die Medienseite Nummer Eins, der TV-Branchendienst wird schließlich auch als erster das Revival von "Mitten im Leben!" verkünden...
Sueddeutsche.de - Mitunter gut gemacht...
MEEDIA.de - Wenn ich mich mal wieder über Tippfehler aufregen will...
Medienforum-Mittweida.de - Okay, die Webseite lohnt aktuell nicht wirklich für einen wöchentlichen Besuch. Aber hey, immerhin ist das Medienforum Mittweida die Pflichtveranstaltung in Medienmitteldeutschland...
Rivva.de - Für den Durchblick im Social Web...
HuffingtonPost.de - Vorsorglich habe ich schon mal Platz Neun frei geräumt für die HuffPo. Auf deren Entwicklung bin ich echt gespannt...
BVG.de, MVV-Muenchen.de oder HVV.de, abhängig davon wo ich gerade bin - Ist auch besser, mit dem Orientierungssinn einer Pflaume...

So, oder so: Ein prima Thema. Womöglich sogar einen "Punkt 12"-Beitrag wert? "Sag mir, welche Webseiten du besuchst, und ich sage dir, wer du bist!"

 

TV-Macher betteln um Zuschauer

Das Medienjahr 2010 ist beinahe zu Ende. Dabei bot es eine Vielzahl kurioser Geschichten, die selbst das Scripted-Reality-TV nicht besser hätte schreiben können. Ein unrepräsentativer und äußerst unvollständiger Jahresrückblick, von Freiheitsberaubung hin zu gescheiterten Trash-Offensiven.

Aus Mediensicht war 2010 ein spannendes Jahr: Das iPad ließ Hoffnungen der Verlage keimen. Die deutsche Alternative, WePad oder WeTab, wie es seit 7. Mai heißt, hatte Anlaufschwierigkeiten. Bis Richard Gutjahr aufdeckte, dass Firmenchef Helmut Hoffer von Anckershoffen selbst der größte Fan seines Produkts ist. Mit Flattr startete ein Bezahlmodell für Online-Content und das Supertalent holte Traumquoten für RTL. Eine deutsche Sporttageszeitung sollte ihren Platz im Presseregal einnehmen – praktisch unbemerkt von Kioskbetreibern und der Öffentlichkeit.

15. März: Endlich eine tägliche Sport-Zeitung für Deutschland

Der „Sport-Tag“, mit dem Verleger Michael Hahn eine Marktlücke schließen wollte, legte am 15. März laut Medien-Experten einen Fehlstart hin. Das Zeitungsprojekt mit großen ausländischen Vorbildern wie Gazzetta dello Sport, Marca oder L’Equipe hatte auch knapp zwei Monate später keine Fahrt aufgenommen. Schnell wurde die Erscheinungsfrequenz des Mediums von täglich auf wöchentlich gedrosselt, damit wurde jedoch die Überlegenheit der Konkurrenz deutlicher: Denn Der Sport-Tag lag nun am selben Tag wie der Kicker am Kiosk. Letztendlich bewogen die „katastrophalen Abverkäufe, die umgerechnet sogar unter denen der täglichen Ausgaben lagen“ die SIM Verlagsgesellschaft am 10. Mai zur Einstellung des Projektes. Dabei hatte sie in ersten Ausgaben noch Verstärkung gesucht. Auch Redakteure – einzige Einstellungsvoraussetzung: „Was Sie bisher über Sport geschrieben haben wurde auch veröffentlicht“.

10. Juni: Alle aus dem Weg – Jauch kommt!

Wie die ARD am 10. Juni mitteilte, moderiert Günther Jauch ab Herbst 2011 im Ersten. Das bisherige RTL-Aushängeschild bleibt seiner Show „Wer wird Millionär?“ zwar treu, verabschiedet sich aber von Stern TV. Im Ersten bekommt er dafür den Sendeplatz von Anne Will am Sonntag. Unschön: Anne Will erfuhr davon im Urlaub – aus den Medien. Aufgrund der Zeitverschiebung hätte sie der NDR-Intendant nicht erreichen können. Doch nicht nur sie erhält einen neuen Sendeplatz. Auch Frank Plasberg und Reinhold Beckmann müssen mit neuen Sendeterminen Vorlieb nehmen. Die Runfunkräte des MDR, des BR und des WDR kritisierten die Entscheidungen der ARD, fünf Talk-Runden pro Woche seien zu viel. Zumindest einen dürfte die ARD nach dem Hin und Her nicht vergrault haben: Günther Jauch, für den nun ein gemachtes Nest beim Öffentlich-Rechtlichen steht.

19. August: RTL II macht „fun“

RTL II gab das Scheitern seiner neuesten Trash-Offensive bekannt. Der Sender hatte versucht, die von Big Brother hinterlassene Programmlücke mit gleich drei neuen Formaten zu füllen: „Tattoo Attack – Promis stechen zu“, „Abenteuer Afrika – Deutsche Teenies beißen sich durch“ und „Das Tier in mir“ versprachen ohnehin alles andere als Authentizität. Tatsächlich mussten sich übergewichtige Jugendliche in Afrika durchkämpfen und schlüpften B- und C-Promis in die Rolle von Tieren. Das war zu viel – für Zuschauer und Medienjournalisten. Sowohl Quote wie auch Kritik fiel verheerend aus. Der Ausgangspunkt für ein Umdenken im Privatsender? Jedenfalls verabschiedete sich das Medienunternehmen prompt von seiner Unterhaltungschefin und gelobte in einer Pressemitteilung Besserung. Doch Gut Ding will Weile haben. Denn obwohl RTL II dem zuvor präsentierten Menschenzoo – in Maßen – abgeschworen hat, bleibt der Sender mit „X-Diaries“ dem Genre der Pseudo-Doku treu. Einzelne Folgen der ebenfalls im August gestarteten Soap wurden derweil von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen beanstandet. Aber das sollte mit Humor genommen werden. Wie sagt der Sender-Claim so schön? „It’s fun.“

14. Oktober: „Freiheitsberaubung“ bei den Öffentlich-Rechtlichen

Nach einem Bericht des Online-Portals der WAZ mussten die Live-Zuschauer bei der Produktion der ZDF-Show „Rette die Million!“ sieben Stunden ausharren. Grund dafür war, dass sich neben den 350 Gästen auch ein siebenstelliger Geldbetrag im Raum befand. Um die Vorgaben der Versicherung zu erfüllen, habe sich die Aufnahmedauer mit langen Wartezeiten ausgedehnt, so eine Sprecherin der Produktionsfirma. „Wir bekamen nicht ein Wasser zu trinken, wir durften nicht zur Toilette gehen“, erinnerte sich die Besucherin Doris Helbig. Nach fünfeinhalb Stunden hätte es ein Zuschauer-Block gewagt, die Aufzeichnungen zu verlassen. „Danach haben die Mitarbeiter der Produktionsfirma Endemol regelrecht gebettelt, dass der Rest im Studio bleibt.“ Wahrscheinlich ein echtes Novum 2010: Wann haben Fernseh-Mitarbeiter zuvor bei der Ausübung ihrer Arbeit betteln müssen? Auch nach dem Ende der Show hatten die Zuschauer sitzen zu bleiben – schließlich musste das Geld nachgezählt werden. Ob die Fernseh-Leute auch dafür bettelnd durch die Zuschauer-Reihen ziehen mussten ist nicht überliefert. Von diesen Zwischenfällen bemerkte der Fernsehzuschauer bei der ausgestrahlten Sendung natürlich nichts. Trotzdem entschuldigte sich das ZDF für die Unannehmlichkeiten. Die Gäste hatten schließlich zwölf Euro Eintritt bezahlt. Wobei das pro Stunde nur zwei Euro macht – ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis, oder?

18. Oktober: Konstantins dunkles Geheimnis aufgedeckt

In einem Blogeintrag des Medienjournalisten Stefan Niggemeier wurde Verlegersohn Konstantin Neven DuMont verdächtigt, unter verschiedenen Synonymen hunderte Kommentare in dessen Weblog verfasst zu haben. Was damals niemand ahnte: Die Geschichte hat sich Dank der Interviewbereitschaft DuMonts bis heute gehalten. So schaffte es die Entdeckung Niggemeiers von dessen Blog in die Bild, den Spiegel und den Focus. Am 9. Dezember wurde bekannt, dass Konstantin Neven DuMont nach seiner Funktion als Herausgeber verschiedener Print-Titel auch den Vorstandsposten bei M. DuMont Schauberg verloren hat. Doch das brachte die teils äußerst abstrusen Verwicklungen nicht zu einem Ende. Der öffentlich geführte Familienzwist wird wohl im nächsten Jahr fortgesetzt. Auch plant DuMont eine Website für Medienkritik und eine Karriere als Moderator. Was daraus geworden ist, findet sich zu gegebener Zeit auf medienMITTWEIDA – im Jahresrückblick 2011.

Ein Jahresrückblick von Marcel Fröbe. Der Artikel erschien am 23. Dezember 2010 auf medienMITTWEIDA.